Knallapparate oder Selbstschussanlagen zum Vertreiber z.B. von Krähen

"23.07.2020, C.van Lessen"

Uns liegen Beschwerden darüber vor, dass Landwirte zum Schutz ihrer Aussaat vor z.B. Krähen Selbsschussanlagen oder Knallapparate benutzen. Früher wurden diese genutzt, um Stare aus den Kirschhöfen zu vertreiben. Wir fragten zur Nutzung und evt. Genehmigungspflicht den Bürgermeiser der Gemeinde Drochtersen.

Hier seine Antwort:

"Sehr geehrter Herr van Lessen,


Krähen stehen unter Naturschutz, d.h. es ist verboten, diese zu töten, zu fangen oder ihre Nester während der Brutzeit zu zerstören. Es gibt dazu folgende Hinweise:
Maßnahmen zur Abwehr von Vögeln durch Lärm sind auf ein erträgliches Maß zu beschränken.
Der Betrieb von Knallapparaten u. ä. ist nach den Bestimmungen des Bundesimmissionsschutzgesetzes (BlmSchG) zu beurteilen. Danach handelt es sich um so genannte nicht genehmigungsbedürftige Anlagen i.S. dieses Gesetzes (§ 3 Abs. 5 Nr. 2 BlmSchG).

Nach § 22 BlmSchG sind derartige Anlagen so zu errichten und so zu betreiben, dass u. a.
a) schädliche Umwelteinwirkungen verhindert werden, die nach dem Stand der Technik vermeidbar sind,
b) nach dem Stand der Technik unvermeidbare Umwelteinwirkungen auf ein Mindestmaß beschränkt werden.

Sofern diese Anforderungen nicht erfüllt werden, kann der Landkreis als zuständige untere Immissionsschutzbehörde gem. § 24 BlmSchG im Einzelfall die erforderlichen Anordnungen treffen.
So müssen z.B. gemäß der Technischen Anleitung zum Schutz gegen Lärm (TA-Lärm) in Dorf- und Mischgebieten sowie im Außenbereich am Tage Lärm-Immissionsrichtwerte von 60 dB(A), in allgemeinen Wohngebieten von 55 dB(A) und in reinen Wohngebieten von 50 dB(A) eingehalten werden.
Um diese Richtwerte einzuhalten, muss der Abstand der Knallapparate zum nächsten betriebsfremden Wohnhaus zwischen 100 und 200 m betragen. Die Mündung des Knallapparates muss von den maßgeblichen Gebäuden abgewandt ausgerichtet sein.
Darüber hinaus dürfen Knallapparate nur in der Zeit von 07.00 Uhr bis 12.00 Uhr und von 14.00 Uhr bis 19.00 Uhr zum Einsatz gelangen. Bei Verwendung von pyrotechnischer Munition ist grundsätzlich ein Mindestabstand von 200 m einzuhalten.
Verstöße können auch als Ordnungswidrigkeit mit einer Geldbuße bis zu fünftausend Euro geahndet werden. (§ 117 des Gesetzes über Ordnungswidrigkeiten vom 19.02.1987 (BGBl. S. 602) in der z.Zt. geltenden Fassung)".


Mit freundlichen Grüßen
Gemeinde Drochtersen
Der Bürgermeister
Mike Eckhoff


Anmerkung dazu: Es stellt sich für uns die noch zu beantwortende Frage, wie groß der von den Krähen angerichtete Schaden ist und ob nicht andere Möglichkeiten bestehen - z.B. Beizen der Aussaat -, die eingebrachte Aussaat vor den Krähen zu schützen. Auf jeden Fall müßte der Landwirt eine Genehmigung beantragen mit Schallgutachten.